Auszüge aus der Vorlesung vom 25.2. 2005 http://www.novaesium.de/glossar/ Geschichte und Ausgrabungen des römischen Neuss Die militärischen Auseinandersetzungen der Römer und der Germanen endeten nicht immer so siegreich für die Germanen, wie später im Teutoburger Wald.. Als gegen Ende des 2. Jh. vor Christo Teutonen und Kimbern in die Provinz Galia transalpina eindrangen, wurden sie 102 v. Chr. bei Aquae Sextiae (heute Aix-en-Provence) und 101 bei Vercellae (Vercelli, in der heutuigen Provinz Piemont) besiegt. Traditionelle Gliederung der Westgermanen in Rhein-Weser-G. (Bataver, später hat sich aus diesen Stämmen dre Großverband der Franken gebildet), Nordsee-Germanen (Angeln, Friesen, Sachsen, Jüten), Elbgermanen (Cherusker, Markomannen, Sweben, Chatten, Hermunduren). Aus den Hermunduren entstand der Stamm der Thüringer, aus den Sweben der Stamm der Alemannen, die damals im heutige Elsaß siedelten, aus den Chetten die Hessen. Publius Cornelius Tacitus (55-117) röm. Geschichtsschreiber, *um 55 n.Chr., nach 116; er veröffentlichte im Jahre 98 die Schrift über Germanien (<>), die einzige aus der röm. Literatur bekannte länderkundl. Monographie und das wichtigste Zeugnis über Altgermanien. Später wandte sich T. der Kaisergeschichtsschreibung zu. In den <> beschrieb er die Zeit der Flavier. Seine <> behandeln die Zeit vom Tod des Augustus bis zu dem Neros (14-68). T. knüpfte in Sprache, Stil, Komposition und pessimist. Grundhaltung an Sallust an. Das Handeln der Herrscher suchte er durch Erfassung ihrer psycholog. Motive zu erklären. Zitat: So lebt die Frau (der Germanen) in wohlbehüteter Sittsamkeit nicht verdorben durch lüsterne Schauspiele oder verführerische Gelage. Heimlicher Briefwechsel ist Männern ebenso wenig bekannt wie Frauen. Daher kommt auch in einem so zahlreichen Volke nur ganz selten ein Ehebruch vor. Die Bestrafung erfolgt auf der Stelle und steht dem Manne zu. Vor den Augen der Verwandten schneidet er der Ehebrecherin das Haar ab, reißt ihr das Gewand herunter und prügelt sie durch das ganze Dorf. /.../ Nicht Schönheit, nicht Jugend, nicht Reichtum lassen sie wieder einen Mann finden. Bei den Germannen lacht nämlich niemand über die Laster, und verführen und sich verführen lassen nennt man dort nicht "Zeitgeist". /../ Die Zahl der Geburten zu beschränken oder ein nach dem Erben geborenes Kind zu töten, gilt als Schandtat, und mehr vermögen dort gute Sitten als anderswo gute Gesetze. /.../ Jede Mutter nährt ihre Kinder an der eigenen Brust, und man überläßt sie nicht Mägden oder Ammen. Den Herrensohn kann man durch keinerlei Verzärtelung vom Sklavensohn unterscheiden. /../ bis das Jünglingsalter die Freigeborenen von den Knechten scheidet ... Spät erst lernen die jungen Männer die Liebe kennen, und deshalb bleibt ihre Manneskraft ungeschwächt. Bevölkerung zerfällt in drei Schichten, aber den bei den Kelten üblichen Schichten der Priester, Kämpfer und Landwirte stehen hier Adelige, Freie und Sklaven gegenüber. Germanicus -- Adoptivsohn und Neffe des Kaisers Tiberius (15 v. Ch. - 19 n. Ch), der die Aufstände der Legien in Pannonien und am Rhein niedergeschlagen hat und in den Jahren 14---16 . n. Ch. nach der von Varus verlorenen Schlacht gegen die Chatten, Brukteter und Cherusker kämpfte. Er versuchte Auseinandersetzungen unter den germanischen Stämmen anzustiften, die zur Ermordung des Arminius und zur Vertreibung des Marbod führten. Er hielt Thusnelda in Gefangenschaft. Marbod - König der Markomannen (bei Kleist Suebenfürst, weil M. zu S. zählten), versagte sich dem Bund des Arminius und wurde im Jahre 17 von ihm besiegt. Bei Kleist greift er gemeinsam mit Arminius die Römer an. Vor einem innerren Aufstand floh er zu den Römern, die ihm Ravenna als Wohnsitz anwiesen. Die Markomannen waren ein suebischer Volksstamm. Um 9 v.Chr. wurden sie von den Römern besiegt und wanderten deshalb unter König Marbod nach Böhmen und in das Gebiet nördlich der Donau aus. In den Markomannenkriegen in der zweiten Hälfte des 2. Jh. drangen mehrmals tief in das Imperium ein. Kaiser Mark Aurel musste die meiste Zeit seiner Regierung ihrer Abwehr widmen; er hielt sich im Legionslager Vindobona auf. Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht Um den Preis der Statthalterschaft in "Deutschland" (Anachronismus) unterwirft sich Hermann scheinbar der römischen Oberherrschaft und öffnet die Grenzen seines Landes den Legionen des Varus, die ihn gegen den Marbod schützen sollen. Dasselbe wurde von Varus auch Marbod angeboten, um ihn gegen Hermann aufzubringen. Hermann durchschaut den Plan, verbindet sich mit Marbod und schickt seine zwei Söhne als Geiseln zu den Markomannen. Hermann kommt die Disziplin der in Teutoburg zurückgebliebenen römischen Kohorten ungelegen; er braucht Mord, Raub und Gewalt, um den Römerhaß anzufachen und die Schwankenden mitzureißen. Die Vergewaltigung eines Mädchens, das vom eigenene Vater getötet wird, gibt ihm die die Gelegenheit: er befiehlt den Leib des Mädchens in Stücke zu teilen und diese den fünfzehn Stämmen Germaniens zu senden. Thusneld, Hermanns Frau, bittet um das Leben des Ventidius; Hermann überreicht ihr einen abgefangenen Brief mit ihrer Locke, in dem Livia, der römischen Kaiserin, das Haar Thusneldas versprochen wird, sobald Hermann gefallen sei. Sie läßt dann Ventidius von einer Bärin zerfleischen. Arminius war schon früher Hauptfigur von Dramen gemacht worden, u. a. Johann Elias Schlegel, oder Klopstocks Bardiet (Mißverständnis - Berdiet war eigentlich das Geschrei vor der Schlacht). Der historische Arminius - besaß das römische Bürgerrecht und den Ritterrang. Wei sein stets römerfreundlicher Bruder Flavus diente er im röm. Heer und galt als Vertrauter des Statthalters Varus. Er konnte seine Stellung gegen Germanicus und gegen Marbod verteidigen. Er erlag einem Mordanschalg eines Verwandten. Man kann erwägen, ob bei Tacitus mit dem Götternamen Merkur etwa Wodan/Odin gemeint ist, mit Herkules Donar/Thor und mit Mars der Kriegsgott Tiu/Ziu. Aber Gewißheit ist hierin nicht zu erlangen, denn die genannten nordischen Götter treten erst in mittelalterlichen Texten deutlich in Erscheinung. Ob sie unter den dort überlieferten Namen und in ihrer dort beschriebenen Eigenart schon seit der germanischen Frühzeit und bei allen Germanen verehrt worden sind, ist eine nicht zu beantwortende Frage. Man sollte also den Bemerkungen von Tacitus nicht mehr entnehmen, als daß bei den Germanen im Allgemeinen personale Gottheiten beiderlei Geschlechts und unterschiedlichen Ranges verehrt wurden. Tacitus fügt aber noch eine Beobachtung an, deren Gültigkeit sich nicht zuletzt anhand der archäologischen Funde bestätigen läßt: Die Germanen hätten ihre Götter nicht in Wände eingeschlossen. Sie bauten also keine Tempel, kannten keine sakrale Architektur in Holz oder Stein, wie wir sie etwa bei Kelten und Slawen und natürlich bei den Römern finden. Vielmehr verehrten sie ihre Götter unter freiem Himmel, auf Waldlichtungen und in heiligen Hainen und - so können wir angesichts archäologischer Funde ergänzen - an heiligen Wassern, stehenden und fließenden.